Romantic-Thrill-Interview mit Michelle Raven und Tina Dick

Das Interview wurde von LYX im Herbst 2010 mit Tina Dick und Michelle Raven geführt.

Frage: Wie lange habt ihr schon mit Romantic Thrill zu tun bzw. wann ist euch das Genre zum ersten Mal untergekommen?

Antwort Michelle Raven: Mir sind romantische Spannungsromane oder spannende Liebesromane zum ersten Mal Anfang der 90er Jahre begegnet, allerdings gab es damals in Deutschland noch keine einheitliche Genrebezeichnung dafür. Zum Beispiel sind die damaligen Bücher von Linda Howard, Karen Robards und Sandra Brown eindeutig diesem Genre zuzuordnen. Im Jahr 2000 fing ich an, amerikanische Originale zu lesen und dabei ist mir dann der Begriff Romantic Suspense begegnet. In Deutschland versuchten einige Verlage wesentlich später, diese Romane als Romantik-Thriller oder Lady-Thriller zu vermarkten, aber diese Begriffe wurden von den Lesern nie richtig angenommen.

Antwort Tina Dick: Bewusst habe ich mit Romantic Suspense bzw. Romantic Thrill, wie das Subgenre bei LYX genannt wird, erst seit Mai 2002 zu tun. Da bekam ich zum Geburtstag von meiner damals besten Freundin Gefährliche Begegnung (All The Queen’s Men) von Linda Howard geschenkt. Und John Medina ist ein Held, den man nicht so schnell vergisst. Die berühmt-berüchtigte „Sofa-Szene“ habe ich noch so klar vor Augen, als hätte ich das Buch erst gestern gelesen. Dieser Roman war auch mein Einstieg in die Welt der Liebesromane. Vorher hätte ich vehement bestritten „solche“ Romane zu lesen. Dabei habe ich sie im Grunde schon immer gelesen, sie halt nur nie als Liebesromane wahrgenommen. In den 1990ern war mein Schlüsselleseerlebnis Trügerischer Spiegel (Mirror Image) von Sandra Brown, danach kam die Irene-Kelly-Serie von Jan Burke mit dem Protagonistenpaar Frank & Irene. Und als Kind und Jugendliche war ich Trixie Belden von Julie Campbell verfallen, oder besser gesagt Trixie und Uli. Ja, vordergründig Krimis bzw. spannende Geschichten. Aber immer mit einer Liebesgeschichte, wenn auch manchmal nur in zarten Andeutungen oder Schwärmerei. Und gerade die Liebesgeschichte war es meist, wodurch mich die Autoren am Haken hatten.

Frage: Wie definiert ihr das Genre jeweils für euch?

Antwort Michelle Raven: Für mich sind Romantic Thrill romantische Thriller mit einem Spannungsanteil von mindestens 50%. Wichtig ist dabei für mich, dass sowohl die Spannungshandlung als auch der Liebeshandlung jeweils nicht nur Zugabe darstellen, sondern beide so miteinander verflochten sind, dass sie ohne die andere gar nicht funktionieren würden, und dabei eine überzeugende Geschichte entsteht.

Antwort Tina Dick: Romantic Thrill ist für mich ein Liebesroman mit einer starken Krimi- oder Thrillerhandlung, oder auch umgekehrt ein Krimi oder Thriller mit einer Liebesgeschichte, wie etwa bei Tess Gerritsen oder Karin Slaughter. Es ist also gleich zweifach was fürs Herz. Einmal schlägt es höher wegen der Gefühle und dann auch wegen der Spannung.

Frage: Was sind die typischen Merkmale und – besonders interessant für Gäste hier aus dem Buchhandel – wer sind eurer Meinung nach denn die Leser? Und für wen könnte es interessant sein, der das vielleicht noch gar nicht ahnt?

Antwort Michelle Raven: Typisches Merkmal ist, dass die Spannungshandlung das Liebespaar mit einbezieht, sie also beide irgendwie in den ‚Fall‘ verwickelt sind. Das erhöht die Spannung für den Leser. Die Leser sind für mich größtenteils im Liebesromanbereich zu finden. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass sie wesentlich offener für Spannung sind, als Thrillerleser für die Liebe, vor allem, wenn auch Liebesszenen vorkommen, was traditionell im Romantic Thrill der Fall ist. Bei den eher thrillerartigen Romanen wie zum Beispiel von Karen Rose können aber durchaus auch viele Thrillerleser dabei sein. Ganz allgemein würde ich sagen, dass Romantic Thrill für jeden interessant ist, der gerne mit Spannung unterhalten wird und auch der Liebe nicht ablehnend gegenüber steht.

Antwort Tina Dick: Liebesromanleser sind sicher die anvisierte Zielgruppe. Aber auch, wer spannende Geschichten mag und gegen Romantik und Happy Ends nichts einzuwenden hat, liegt bei Romantic Thrill genau richtig. Deshalb lohnt es sich selbst für eingefleischte Krimileser, mal das ein oder andere Buch anzutesten. Da dürften einige Leser überrascht sein, wie gut sie sich unterhalten fühlen. Typische Merkmale? Das Genre ist so breit gefächert, aber was immer dabei sein muss, ist mindestens ein Paar, das sich verliebt, schon liebt oder wieder verliebt, und eine spannende Handlung.

Frage:  Frau Raven, Sie haben für den Loveletter 2005 bereits einmal eine Genrezusammenfassung Romantic Suspense geschrieben. Wie lange schreiben Sie schon in dem Genre und wie schätzen Sie die Repräsentanz des Genres auf dem dt. Buchmarkt ein?

Antwort Michelle Raven: Ich schreibe seit 1999 in dem Genre, 2002 wurde mein erstes Buch veröffentlicht. Auf dem deutschen Buchmarkt war das Genre bisher leider unterrepräsentiert, was zum großen Teil daran liegt, dass nicht vielen bekannt ist, dass es sich um ein eigenes Genre handelt. Die Buchhandlungen kennen nur Thriller oder Liebesromane. Für eine Mischung aus beidem haben sie keine eigene Regalfläche und Beschriftung. Was für die Leser zum Problem werden kann, weil die Bücher mal unter Thriller stehen und mal unter ‚Roman‘. Es gibt aber auch sehr erfolgreiche amerikanische Romantic-Thrill-Autorinnen wie zum Beispiel Sandra Brown oder auch Karen Rose, die als Lizenzen in Deutschland erschienen sind. Leider gibt es überhaupt so gut wie keine deutschen Autoren in diesem Bereich.

Frage: Was ist für euch beide das reizvolle an diesen Büchern und wo liegt der Unterschied zur nun ja schon länger boomenden Romantic Fantasy?

Antwort Michelle Raven: Für mich liegt der Reiz in der Kombination von Spannung und Liebe. Bei reinen Thrillern oder Liebesromanen fehlt mir oft das gewisse Etwas, das das Buch für mich wirklich lesenswert macht. In einem Romantic Thrill steht nicht nur das Leben der Hauptpersonen auf dem Spiel, sondern auch ihre Liebe. Das erhöht noch einmal die Spannung. Sie machen die Helden verwundbar und damit potentiell anfälliger für die Angriffe des Bösewichts. Als Autorin macht es mir Spaß gerade diese Verwundbarkeit darzustellen und damit die Spannung in die Höhe zu treiben. Und natürlich liebe ich es, Held und Heldin am Ende in einem Happy End zusammenzuführen. Der Unterschied zur Romantic Fantasy ist für mich der größere Realitätsbezug, es könnte so wirklich geschehen. Die Spannung wird nicht durch irgendwelche Fantasiewesen erzeugt, sondern wie im Thriller durch die spannende Handlung und die Gefahr für die Hauptpersonen.

Antwort Tina Dick: Für mich ist es diese einzigartige Mischung. Im Grunde bekommt man gleich zwei Geschichten zum Preis von einer: einen Liebesroman und einen Krimi. Ich mag es, wenn das Adrenalin durch meine Adern fließt, weil Held und Heldin sich in einer gefährlichen Situation wieder finden und dabei entdecken, was sie füreinander empfinden. Sicher findet man das auch oft bei den paranormalen Liebesromanen bzw. der Romantic Fantasy. Aber nicht jeder mag phantastische oder übersinnliche Elemente in seinen Romanen. Im Romantic Thrill gibt es nur Menschen aus Fleisch und Blut, die im Angesicht einer Bedrohung über sich hinauswachsen und ihr Leben geben würden für den Menschen, den sie lieben.

Frage: Könntet ihr euch für Romantic Thrill auch so einen Boom vorstellen? Glaubt ihr, das Genre könnte auf dem dt. Markt einen ebensolchen Siegeszug antreten wie auf dem amerikanischen?

Antwort Michelle Raven: Ich denke schon, dass auch Romantic Thrill auf dem deutschen Markt gut laufen kann, mit Karen Rose und einigen anderen Autoren wird das ja bereits eindrucksvoll bewiesen. In Amerika sind natürlich Liebesromane allgemein wesentlich akzeptierter als in Deutschland, da muss noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Antwort Tina Dick: Einige der Romane laufen ja bereits sehr gut. Allerdings werden sie bislang ausschließlich als Thriller wahrgenommen, wie etwa Lisa Jackson, Karen Rose oder Sandra Brown. Der Grund, warum der Durchbruch insgesamt hierzulande noch nicht gelang, ist wohl, dass das Genre von den Verlagen bislang eher stiefmütterlich behandelt wurde. Weder Buchhändler noch Leser konnten die Bücher anhand der Covergestaltung oder der Titel wirklich einordnen. Deshalb gingen viele Serien, die auf den Markt geschmissen wurden, förmlich unter, bis sie von der entsprechenden Zielgruppe entdeckt wurden. Und dann war es meist schon zu spät, weil sie dann schon wieder abgesetzt waren.
LYX hat mit der Romantic Fantasy bewiesen, dass eine Genre, bei dem vorher die anderen deutschen Verlage abgewinkt haben, auf dem deutschsprachigen Markt regelrecht einschlagen kann, wenn man es richtig anpackt. Dazu gehören neben Covern und Titeln die sorgfältige Auswahl der Bücher fürs Programm, eine Verlässlichkeit bei der Serienfortführung, das richtige Bewerben des Programms und ein guter Kundenservice. Der Boom der Romantic Fantasy wird vermutlich schwer zu überbieten sein. Aber mittlerweile zeigt sich bei einigen Lesern in dem Bereich auch schon wieder eine Übersättigung. Da kommt Romantic Thrill gerade richtig als „Ersatzdroge“.

Frage: Frau Raven, wovon handelt Ihr Romanti-Thrill-Roman, der kommenden Januar [2011] bei LYX erscheint?

Antwort Michelle Raven: In Vertraute Gefahr will die New Yorker Bibliothekarin Autumn Howard als Rangerin im Arches National Park noch einmal neu anfangen und ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Das scheint auch möglich zu sein, besonders als sie ihren Rangerkollegen Shane Hunter trifft, dem sie sich langsam öffnet. Doch dann holt ihre Vergangenheit sie wieder ein und nicht nur sie sondern auch Shane schweben in Lebensgefahr.

Dom_Lyx_Regal

Mehr Informationen zum LoveLetter gibt es auf www.loveletter-magazin.de



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