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Die Rezension wird lang, ich merke das jetzt schon. (Edit: Oh Gott! Die ist ja ewig lang! o.o)
Ich denke, wenn ich sage, dass die Downside Ghosts/Chess Putnam-Reihe eine meiner liebsten Urban Fantasy Buchreihen ist, dann ist das keine Lüge. Es geht soweit, dass ich am Liebsten einen Schrein bauen möchte, Songs doppelt höre, in denen das Wort terrible vorkommt und überlegt habe, Drogen zu nehmen, um die Protagonisten besser zu verstehen.
Nein, Quatsch.
Offensichtlich haben sich einige andere Rezensenten anfangs nicht an die Reihe gewagt, weil Chess ein Junkie ist. Mir persönlich gefällt eine Hauptfigur ohne hollier than thou-Attitüde, aber nachvollziehen konnte ich die Sorgen doch, denn es gibt ja nun einmal einige Bücher, in denen Drogenabhängige als verbitterte Ich mache wirklich alles für noch eine Pille-Persönlichkeiten dargestellt werden, die die Schuld bei allen Anderen suchen und zum Schluss nur noch unsympathisch sind. (Unabhängig davon ob diese stereotypische Darstellung nun eine Berechtigung im realen Leben hat, wovon ich sowieso nicht überzeugt bin.)
Glücklicherweise ist Chess aber eine intelligente, ab und zu sarkastische, Kick-Ass Heldin mit einer furchtbaren Vergangenheit, die sie mehr oder weniger zum Drogenkonsum geführt hat. Sie ist vielleicht in manchen Dingen wirklich gebrochen, aber sie ist keine erbärmliche, abhängige Heldin, die darauf wartet, von irgendjemanden gerettet zu werden. So viel Vertrauen hätte sie vermutlich auch für niemanden aufbringen können. Und genau das ist die Art von Hauptfigur, die ich liebe. [4|5]
Setting & Worldbuilding. Unholy Ghosts (Geisterflut) spielt in einer alternativen Zukunft. Die Welt, in der Chess lebt, wird von Geistern heimgesucht. Es gibt kein wirkliches Rechtssystem; die Gegend, in der Chess lebt ist vermüllt und eigentlich wird sich nicht um einander gekümmert. Gar nicht. Nur die Kirche schützt die Menschen vor Geistern, hat dabei aber auch eine autoritäre Instanz gebildet. Was sie sagen, ist Fakt. Was Fakt und Wahrheit ist, ist nun einmal so. Es wird nicht hinterfragt, es ist. Und die Wenigsten würden nachfragen, denn man möchte weiterhin beschützt oder zumindest nicht mit Absicht nicht-beschützt werden.
Hier existiert (denn von leben möchte ich noch nicht sprechen) Chess und versucht, über die Runden zu kommen. Sie arbeitet für die Kirche als Debunker, hilft ab und zu ihrem Dealer, Bump, und arbeitet für diesen mit Terrible, seinem Eintreiber, zusammen. Zwischendurch nimmt sie je nach Bedarf verschiedene Drogen, um den Tag durchzuhalten. [4|5]
Schreibstil und Übersetzung. In der deutschen Übersetzung wurde eine Sache ganz drastisch verändert. Die Sprache/Dialoge. Chess spricht einwandfreies Englisch, ihre Mitarbeiter und Vorgesetzten ebenfalls. Aber Terrible, Bump und so weiter tun das nicht. Da dieser Gossenslang vermutlich schwer ins Deutsche zu übertragen war (oder weil der Verlag einfach davon ausging, dass die wenigsten Leser diese Art von Authenzität zu schätzen wissen würden?) wurden die Dialoge in der deutschen Übersetzung in Umgangssprache geführt. Der Schreibstil war .. lebendig. Ich hab die Gassen vor Augen gehabt und mir leider auch ungefähr vorstellen können, wie es riecht. Es gab wenig Stellen, an denen ich mal ein paar Sätze verschlucken wollte. Kane hat es geschafft, schnelle und langsamere Szenen so zu kombinieren, dass das Buch wirklich gut zu lesen war. [3.5|5]
Weiter geht es mit den Nebenfiguren. Ich glaube, ich bin noch keinem Terrible begegnet Weder im RL noch in Büchern, obwohl er mich in seiner Einzigartikeit an Derek aus Kelley Armstrongs The Darkest Power-Reihe erinnert. Er ist nicht Edward nicht wunderschön, nicht sanft oder übermäßig gebildet. Eigentlich ist er eine Wand. Stark, groß, mit einer zu oft gebrochenen Nase, mit Narben und so weiter. Er wird nicht als attraktiv beschrieben, aber Kane schafft es trotzdem, ihn so darzustellen, dass ich mich auch in ihn verliebt habe. -grins- Er und Chess haben beide eine düstere Vergangenheit und sind so unglaublich komplex geschrieben.. -sigh- Wunderschöne Konstellation.
Wie schon erwähnt, Terrible arbeitet für Bump, Chess Dealer, schlägt und tötet für ihn. Offensichtlich ist er ihm gegenüber sehr loyal. Da Chess Bump mehrere Tausender schuldet, soll sie zusammen mit Terrible herausfinden, ob es in einem Flughafen, für den Bump sich interessiert, spukt und dann das Problem lösen. Nur, dass das gar nicht so einfach ist und sie natürlich ihrem wirklichen Arbeitgeber gegenüber verschweigen muss, dass sie ihre Drogenschulden durch illegale Arbeit abzahlt.
Neben Bump, Terrible und den Kirchenmitgliedern gibt es noch Lex, den Sohn von Bumps Rivalen. Lex ist zwar auch ein relativ komplexer Charakter, aber einfach nicht Terrible. Dafür sieht er offensichtlich unglaublich gut aus und hat Charme. Dennoch kommt er mir nicht vertrauenswürdig vor (oho! ;p) und ich habe die gesamte Zeit gehofft, dass er einfach bald verschwinden würde, egal wie sympathisch er mir ab und zu war. [4-|5]
Die romantischen Züge im Buch waren.. erfrischend. Ich hätte Vieles einfach nicht erwartet und noch weniger hätte ich gedacht, dass mir die Parts gefallen würden, aber es war so.
Sexueller Inhalt: Hinweise auf Kindesmissbrauch und Vergewaltigung, eine semi-grafische Sexszene, zwei sinnliche Szenen [3.5|5]
Fazit: Lesen! Egal ob im Original, auf Deutsch, als ebook. Geisterflut ist ein perfektes Beispiel dafür, warum Urban Fantasy mein Lieblingsgenre ist.
Danke für das Rezensionsexemplar!
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